Wirtschaftliche und soziale SicherheitWirtschaftliche und soziale Sicherheit

  • Um der Kriminalität Einhalt zu gebieten, muss darauf geachtet werden, dass die Täter keinen Profit erzielen.
  • Die Föderale Kriminalpolizei stellte einen Gesamtbetrag von 340 372 125,36 Euro sicher.
  • Trotz der außergewöhnlichen Gesundheitslage konnte die Bekämpfung von Sportbetrug aktiv weitergeführt werden.


Gemischte Ermittlungsteams gegen Sozialbetrug

Die Föderale Polizei arbeitet mit fünf Sozialinspektionsdiensten zusammen, um den Kampf gegen die organisierten Banden hinter Sozialdumping, Schwarzarbeit, Scheinselbstständigkeit und organisierten Konkursen aufzunehmen.

Diese gemischten Ermittlungsteams, MOTEM genannt, werden in allen Gerichtsbezirken einheitlich gegen Sozialbetrug vorgehen. Bei der Einleitung jeder Untersuchung wird in Absprache mit den zuständigen Inspektionsdiensten ein Untersuchungsplan erstellt.

Ziel dieser Initiative ist es nicht, Einzelfälle von Sozialbetrug in Angriff zu nehmen, sondern den organisierten Sozialbetrug zu treffen, mit als Schwerpunkt die Einziehung illegal erworbener Vermögenswerte.

Wirtschaftliche und soziale Sicherheit

Success Story

Die MOTEM: eine gemeinsame Erfolgsgeschichte

Seit der Gründung der gemischten Ermittlungsteams im November 2019, auch MOTEM genannt, wurden zahlreiche positive Ergebnisse verzeichnet. Trotz der Covid-19-Pandemie und ihres erheblichen Einflusses auf das Phänomen des organisierten Sozialbetrugs wurden rund 78 Akten durch die dekonzentrierten Direktionen der Föderalen Kriminalpolizei geöffnet, was einer Kapazität von durchschnittlich 40 000 Stunden entspricht.

Ungeachtet des deutlichen Rückgangs der Wirtschaftsaktivität und einer Verlangsamung der internationalen Reisebewegungen im Jahr 2020, nahm das Phänomen des Sozialdumpings, das vorwiegend den Transport- und Bausektor betrifft, die Hälfte der Fälle ein.

Die Zusammenarbeit mit den Inspektionsdiensten, sei es auf der Grundlage einer punktuellen Unterstützung oder innerhalb einer gemischten Ermittlungseinheit, ist ein Erfolg. Nahezu ein Fall von zwei wird abgeschlossen, dies in Kooperation mit einem oder mehreren Inspektionsdiensten, in den allermeisten Fällen mit den Sozialinspektionsdiensten (Landesamt für soziale Sicherheit, Föderaler Öffentlicher Dienst Beschäftigung, Arbeit und Soziale Konzertierung, usw.).

Ferner ermöglichten die Fälle die Regularisierung durch die Inspektionsdienste. Ein Viertel der Fälle ergaben ebenso außergewöhnliche Ergebnisse im Bereich der ‚Gewinn ausgerichteten‘ Ermittlungen.

Dieser Kooperationsmodus ist erfolgversprechend. Er eröffnet zudem neue Perspektiven hinsichtlich der weiteren Professionalisierung der Bekämpfung des organisierten Sozialbetrugs und der Förderung des fachübergreifenden Merkmals.



Der Sportbetrug weiterhin im Fokus

Ungeachtet der Gesundheitskrise wurden zahlreiche Initiativen zur Bekämpfung von Sportbetrug eingeleitet, sowohl von einem strukturellen Standpunkt aus als auch innerhalb und außerhalb der Föderalen Polizei, dies durch die Teilnahme an nationalen und internationalen Netzwerken, Organisationen, Projekten und Foren.



Bildung des Sports Fraud Team

Im Jahr 2020 wurde ein neues Team von vier Personen bei der Direktion der Bekämpfung der schweren und organisierten Kriminalität (DJSOC) gebildet: das Sports Fraud Team. Dieses Team führt Ermittlungen über manipulierte Spiele, Sozial- und Finanzbetrug in der Sportwelt, usw. durch. Größere Ermittlungen können weitere Einheiten der DJSOC und der Föderalen Kriminalpolizei erfordern.

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Einführung des Mitteilungsformulars DRUPAL

Das Formular zur Mitteilung von Fällen von Sportbetrug wurde erneuert und der DSGVO angepasst, dank des Zutuns der Direktion der polizeilichen Informationen und der IKT-Mittel (DRI). In diesem Rahmen wurde die neue europäische Richtlinie (2019/1937) zum Schutz von Personen, die Verstöße gegen das Unionsrecht melden (auch „Hinweisgeberichtlinie“ oder „Whistleblower-Richtlinie“ genannt), bereits berücksichtigt, da die Bürger die Möglichkeit besitzen, anonyme Mitteilungen zu machen, dies, obschon diese neue Richtlinie noch nicht in belgisches Recht umgesetzt wurde. Unter Berücksichtigung des internationalen Merkmals des Sportbetrugs ist das Formular in den drei Landessprachen sowie in Englisch erhältlich.



Eine erzieherische und präventive Arbeit mit den Sportverbänden und den Akademien

Das Sports Fraud Team befasst sich ebenso mit der Erziehung und der Prävention, insbesondere durch die Teilnahme an den Universitätsforschungen (mit der Ugent und der KUL) und an internationalen Projekten, wie die Workshops der „Group of Copenhagen“ im Rahmen des Macolin-Übereinkommens (Europarat). Zum Erwerb und Austausch der Kenntnisse nimmt die Föderale Polizei, durch das Sports Fraud Team, an der jährlichen Konferenz des Panathlon sowie an den Webinaren des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) zum Thema Sportbetrug teil.



Öffnung und Fortführung der Gerichtsakten

Der herausragendste Fall im Jahr 2020 war die ORYAN-Affäre. Diese Ermittlung über Spielmanipulation beim Tennis wurde von der Direktion der Bekämpfung der schweren und organisierten Kriminalität (DJSOC) eingeleitet und von der Föderalen Kriminalpolizei (FKP) von Ostflandern, in Zusammenarbeit mit Europol, fortgeführt. Diese Ermittlung ergab, dass die Initiative zur Manipulation der Spiele von den Tennisspielern selbst ausging. Diese machten dem kriminellen Netz der Wettkunden zuerst den Vorschlag. Die Wettkunden wiederum vergewisserten sich, dass das Spiel auch genug Einsatz aufwies. 182 Tennisspieler, zumeist amerikanischer und südamerikanischer Herkunft, und mehr als 9 Millionen Dollar, die dazu dienten, die Spieler zu kaufen, konnten mit dem albanischen kriminellen Netzwerk von Wettkunden in Verbindung gebracht werden. Die Beweise und/oder Hinweise aus der Ermittlung deckten 376 manipulierte Tennisspiele auf. Die Angelegenheit wurde noch nicht gerichtlich aufgearbeitet.

Zusätzlich zu dem Fall „Mains propres“ wurden zahlreiche Ermittlungen über Agenten von Fußballspielern eingeleitet und sind derzeit noch laufend.



Einsatz auf Ebene von Europol und Interpol

Der Sportbetrug ist ein internationales Phänomen, mit Einbeziehung von Akteuren und Ereignissen weltweit. Das Vorgehen in diesem Bereich sollte ebenso international ausgerichtet sein. In diesem Sinne hat Belgien seine Teilnahme an den Antikorruptionsprogrammen von Europol und Interpol formalisiert. Diese Entwicklung führte bereits zu einem ergebnisreichen Austausch von Informationen und Kontaktdaten.