OnlinesicherheitOnlinesicherheit

  • Die Anzahl der Betrugsfälle, in denen die Ermittler der Internet Referral Unit (i2-IRU) eingegriffen haben, ist stark angestiegen.
  • Das Jahr 2020 war ebenso ein besonderes Jahr für die Federal Computer Crime Unit (FCCU). Die Covid-19-Pandemie hatte einen bedeutenden Einfluss, insbesondere auf die internationale Arbeitsweise, die Unterstützungsakten und die Ausbildungen.
  • Unter der Anleitung der europäischen Polizeiakademie CEPOL haben die Sachverständigen der FCCU ein neues Hochleistungsausbildungsmodul in Bezug auf das Darknet für die europäischen Polizeidienste entwickelt.


Internetermittlungen

Die Abteilung i2-IRU der Direktion für die Bekämpfung der schweren und organisierten Kriminalität (DGJ/DJSOC) ist mit verschiedenen Aufgaben betraut:

  • Internetermittlungen;
  • Sperrung von Websites und/oder Inhalten (in Zusammenarbeit mit den Providern und den Internet-Plattformen);
  • Kommunikation zum Thema Prävention;
  • Ausbildung, Aufklärung und Austausch von Fachwissen;
  • Teilnahme an Europol-Aktionen.

Im Rahmen der Terror-Fälle (terroristische Propaganda und gewalttätige extremistische Aktivitäten, die im Internet auftreten) arbeitet i2-IRU mit der von Europol eingerichteten Internet Referral Unit (IRU EU). Europol verfügt über ein automatisiertes Werkzeug, wodurch aufgedeckte Propaganda unzugänglich gemacht wird. Die Fälle in Verbindung zu Belgien werden anschließend von i2-IRU bearbeitet.

Im Jahr 2020 hat i2-IRU in 1 099 Fällen Unterstützung geleistet, ein Anstieg um 88 Fälle im Vergleich zu 2019 (1 011). Dieser deutliche Anstieg, der für gewisse Phänomene beobachtet werden konnte, ist Covid-19 zuzuschreiben: der illegale Verkauf von Produkten (Betrug), der Aufruf zum Ungehorsam (öffentliche Ordnung) und die Fake News bezüglich der Vakzine und der sogenannten Heilmittel gegen Covid-19.

Akten
Akten
Phänomene 2019 2020
Terrorismus 314 244
Information 132 151
Betrug 118 194
Diebstahl 91 32
Selbstmordversuch 66 69
Sexueller Missbrauch von Minderjährigen 54 53
Menschenhandel 47 35
Drogen 40 57
Öffentliche Ordnung 40 97
Cyberhass 37 47
Cyberkriminalität 31 37
Waffen 26 20
Vermisstenfälle / 23
Hormone 13 15
Mord 2 16
Vermögen / 6
Fake News / 2
Racheporno / 1
Gesamtanzahl 1 011 1 099

Federal Computer Crime Unit

Die Federal Computer Crime Unit (FCCU) ist mit der Bekämpfung der komplexen und organisierten Formen der Cyberkriminalität beauftragt, insbesondere wenn diese einen Einfluss haben auf die kritischen Infrastrukturen oder die Lieferanten essenzieller Dienstleistungen. Gleichzeitig hat die FCCU Fachwissen in gewissen Bereichen der Hightech-Technologie entwickelt und leistet einen spezialisierten Beitrag zu Gunsten der zentralen Ermittlungsdienste und Inspektionsdienste (AIG/Ausschuss P) zur Analyse der digitalen Datenträger. Schließlich arbeitet die FCCU mit der Direktion der Kommunikation (CGC) zusammen, um die Bevölkerung zum Thema Cybersicherheit, die aktuellen digitalen Tendenzen und die Online-Sicherheit zu informieren und zu sensibilisieren, insbesondere über die Kanäle der Föderalen Polizei in den sozialen Netzwerken.

Das Jahr 2020 war ein besonderes Jahr. Die Covid-19-Pandemie hatte einen großen Einfluss, auch auf die internationale Arbeitsweise, die Unterstützungsakten und die Ausbildungen.

Dies konnte jedoch nicht verhindern, dass die effektive Kapazität der FCCU um 22 % im Jahr 2020 anstieg (von 23 auf 28 Mitarbeiter). Es handelt sich eher um eine hervorzuhebende Tendenz, denn die IKT-Spezialisten sind auf dem Arbeitsmarkt sehr umworben. Die Bemühungen beziehen sich vorwiegend auf die Verbesserung der internen Prozesse und der zu Gunsten der Partner angebotenen Dienstleistung.

Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit gewährleistet die FCCU weiterhin die Leitung eines EMPACT-Projekts zur Erarbeitung eines hoch entwickelten Ausbildungsmoduls rund um das Darknet. Die vorangehende Fassung der Ausbildung wurde bereits positiv aufgenommen.

Die FCCU hat im Jahr 2020:

  • 28 eigene Fälle behandelt (gegenüber 121 im Jahr 2019, die Unterstützungsaufträge zu Gunsten anderer Einheiten eingeschlossen);
  • 50 Nachrichten über die Webanwendung zur Bekämpfung der Ransomware (gegenüber 171 im Jahr 2019) erhalten. Dieser Rückgang ist vorwiegend einem Nachrichtenmangel zuzuschreiben (sowohl intern als extern), denn die Ransomware richten auch weiterhin Schaden an.
    Ransomware bedeutet, dass Betrüger heimlich und ohne Wissen des Besitzers einen Virus auf einem Gerät installieren. Das Virus hält das Gerät und die Dateien als ‚Geiseln‘ (verschlüsselt) und die Betrüger fordern Lösegeld, um diese zu entsperren.
 121 Cyberkriminalitätsfälle bearbeitet.
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Success story

Die Verurteilungen in einem wichtigen Fall von Missbrauch von Minderjährigen

Das Korrektionalgericht von Ostflandern, Abteilung Termonde, hat am 31. März 2020 fünf Angeklagte zu Haftstrafen verurteilt, dies im Rahmen eines nie zuvor gesehenen Falles von Missbrauch von Minderjährigen. Die Ermittlungen brachten Mengen an sichergestellten Bildern zutage und ermöglichten die Identifizierung von Dutzenden Opfern und Tätern weltweit. Dieser Fall ist ein besonderes Beispiel der Zusammenarbeit zwischen der Föderalen Polizei, der Lokalen Polizei, Europol und Interpol.

Begonnen hat alles im Jahr 2015, als ein Mann festgenommen wurde, der Fotos von Kindern aufnahm, die nackt am Strand spielten. Die Polizeizone VLAS (Kortrijk/Kuurne/Lendelede) begann mit den Ermittlungen und fand digitale Bilder des Missbrauchs von Minderjährigen. Die Ermittler stellten ebenfalls fest, dass die Person in Kontakt stand mit einem Bewohner in Wetteren, Ostflandern, mit dem sie Fotos tauschte. Die Staatsanwaltschaft und die Föderale Kriminalpolizei (FKP) von Ostflandern ermittelten zu dieser Person. Auf Antrag des Untersuchungsrichters von Termonde fand eine Haussuchung statt, die zur Sicherstellung von rund 15 Terabyte (TB) an Bildern führte! Die nachfolgenden Ermittlungen konnten drei weitere Verdächtige erfassen.

Aufgrund der bedeutenden Anzahl Daten und der zahlreichen Kontakte zum geschlossenen Milieu durch das Darknet musste die Ermittlungseinheit aufgestockt und eine internationale Zusammenarbeit geschaffen werden. Die Computer Crime Unit, der Zentraldienst Child Abuse der Föderalen Polizei, die FKP Ostflandern und die Polizeizone VLAS leisteten eine Unterstützung. Auf internationaler Ebene nahm Europol an der Datenanalyse teil. Interpol half bei der Übermittlung der Nachrichten an Kollegen nichteuropäischer Länder.

Diese intensive Zusammenarbeit zwischen den Ermittlungseinheiten und Europol ermöglichte die Identifizierung von über 110 Opfern und 90 Verdächtigen auf der gesamten Welt. Die Informationen führten zur Einleitung von Ermittlungen oder konnten mit bestehenden Fällen in über 40 Ländern verbunden werden. Festnahmen und Verurteilungen fanden weltweit statt. Zahlreiche Ermittlungen sind immer noch nicht abgeschlossen.